Interview mit Künstlerin Dasha

Dasha möchte mit ihren Selbstporträts, sich selbst näherzukommen. Ein Blickaustausch mit dem Betrachter, um sich selbst wiederzufinden.

deto: Warum hattest Du während des Lockdowns eine Galerie Ausstellung gemacht?

Dasha: Ursprünglich als Ausstellung geplant, konnte “Alone. Pandemic Edition” nur als Schaufenster-Exhibition stattfinden – dank strengem Lockdown. Ich machte eine Live Painting Performance daraus. So kamen Besucher vorbei und schauten mir durch das große Schaufenster beim Malen der Selbstporträts zu. Mich brachte die Corona Pandemie um jeglichen Kontakt und meine Kunst brachte sie um sein Publikum. Die Live Painting Performance war einerseits eine Möglichkeit, Kunst sichtbar zu machen und zum anderen einen Aufschrei gegen das kulturelle Aus während der Krise.

deto: „Alone”. Was verbindest Du mit dem Titel Deiner Ausstellung?

Dasha: Die Isolation der Pandemie zwang mich, mich künstlerisch mit mir selbst auseinander zu setzen. Ich versuchte anhand einer Reihe von Selbstporträts, mir selber in dieser nicht ganz einfachen Zeit näher zu kommen. Ich leitete mich dadurch sozusagen selbst durch die Krise. “Alone” steht für Selbstfürsorge. Für das mit sich selbst allein sein. Das kann Einsamkeit bedeuten, aber auch Erfüllung. Es bedeutet in jedem Fall hinzuschauen ins eigene Ich, ins Gefühl gehen und annehmen. Wir sind durch die Leistungsgesellschaft seit Jahrzehnten daraufhin optimiert, eben das nicht zu tun. “Alone” steht vor diesem Hintergrund für eine Zwangspause mit sich selbst. Für ein Innehalten.

deto: Warum Portraitmalerin?

Dasha: Für mich ist es die künstlerische Ausdrucksform, die sich im Moment einfach richtig anfühlt. Ich interessiere mich für Menschen. Für das Zwischenmenschliche genauso wie für das Menschsein an sich. Themen wie Identität, Emotion, Berührung beschäftigen mich seit dem Kunststudium. Diese Themen leben von Gesichtern, von Blicken, von Gesten. Es ist allerdings nicht ausgeschlossen, dass das Porträt nur der Ausgangspunkt meiner Arbeit ist. Schließlich bin ich selbst, ein „work in progress“.

deto: Deine Portraits sind vorwiegend in bestimmten Farben. Was hat das auf sich?

Dasha: Das stimmt. Ich habe eine Leidenschaft für dreckige Pastelle mit stumpfen in Weiß abgemischte Töne. Dagegen kontrastiere ich hin und wieder monochrome Knallfarben, die wie ein Blitz von Zeit zu Zeit die sanfte Tristesse erhellen. Ich liebe diese Farbigkeit, weil sie mich an meine sowjetische Kindheit erinnert, die genauso verblasst ist, wie alte Fotos. Es liegt eine besondere Ästhetik im Verblassen, ein Gedanke der Vergänglichkeit. Wie eine Blume, die am schönsten ist, kurz bevor sie verwelkt.

deto: Welchen Charakter möchtest Du mit den Portraits zeigen?

Dasha: Mir geht es nicht um einen speziellen Charakter. Mit geht es vielmehr um einen Blickaustausch mit dem Betrachter. Meine Bilder sind wie Spiegel, sie laden den Betrachter ein, sich darin emotional wiederzufinden. Es kann ein Gefühl sein, ein Gedanke, eine Assoziation oder eine empathische Reaktion. Ich versuche etwas in die Gesichter hineinzuschreiben, was mein Gegenüber berührt.

deto: Wo liegt der Fokus bei Deinen Auftragsarbeiten?

Dasha: Bei Auftragsarbeiten liegt der Fokus auf der Kundenvision. In enger Abstimmung finde ich gemeinsam mit dem Auftraggeber heraus, worum es beim Gemälde gehen soll. Welches Gefühl soll das Bild entstehen lassen? Was ist die Essenz des Bildes? Was die Geschichte dahinter? Aus dem Briefing entsteht dann ein klares Konzept und es folgen einige Entwürfe. In enger Co-Kreation entsteht dann das finale Auftragsportrait.

deto: Wie kann ich mir das vorstellen? Langes Modellsitzen bei Auftragsarbeiten?

Dasha: Das ist möglich, allerdings nicht meine bevorzugte Vorgehensweise. In der Regel fotografiere ich das Modell und arbeite dann nach Fotovorlage.

deto: Was inspiriert Dich?

Dasha: Menschen. Sowohl herausragende als auch einfache. Die endlose Komplexität unserer Wesen fasziniert mich.  Die unendliche Unterschiedlichkeit und gleichzeitig der immerwährende gemeinsame Nenner. Die gleichen Fragen, die uns alle beschäftigen, und die individuellen Antworten, die jeder für sich findet.

deto: Wo siehst Du Dich in zwei Jahren?

Dasha: Eine nicht ganz einfache Frage, denn Planung war selten schwieriger als zu Pandemie-Zeiten. Jedoch unabhängig von Corona, sehe ich mich in zwei Jahren auf demselben Pfad, nur ein gutes Stück weiter. Klarer, definierter und hoffentlich deutlich bekannter.

deto: Was ist eine Frage, die Dich gerade bewegt?

Dasha: Ich frage mich, wie Malerei und Energie miteinander funktionieren. Das ist ein Thema, das mich wahnsinnig fesselt. Hinter der Fassade der Erscheinung ist das Menschliche pure Energie. Das ist unsere Essenz. Und damit sind wir mit unserer Umgebung verbunden. In meiner aktuellen Arbeit erforsche ich diese Fragestellung bildnerisch.

Fotos: detoKUNST Channel / Denise Med