Künstlerin Deniz Hasenöhrl bei detoKUNST-Channel

Interview

Deniz Hasenöhrl Künstlerin & Philosophin

Das größte Kunstwerk ist doch eigentlich das Leben.

Meine abstrakten Bilder sind assoziativer Ausdruck meiner Gefühlswelt. Mein größter Anspruch an mich selbst ist das Gefühl der Authentizität während des Schaffens zu halten, die präsenten Emotionen ungefiltert und frei in verschiedene Struktur- und Farbschichten zu manifestieren und daraus eine Komposition, eine Geschichte, ein Bild meines Inneren entstehen zu lassen. So reift in jedem Bild nach und nach ein Farb- und Formklang zu einem visuellen „Ge-Bilde“, das nicht verbalisiert und erklärt werden muss, sondern, ähnlich wie Musik, andere, nichtrationale Sinne erreichen kann“.

detoKUNST: Was möchtest Du mit Deinen Bildern ausdrücken? Gibt es persönliche Motive?

Deniz: Persönliche Geschichten stecken in allen Bildern, da es ja ein Teil meiner Innenwelt ist, den ich zum Ausdruck bringe. In meinen abstrakten Bildern ist es die Essenz aus Eindrücken und Erfahrungen in Form von Emotionen und Assoziationen, die ich dann auf die Leinwand bringe.

detoKUNST: Wie gehst Du vor, wenn Du ein Kunstwerk beginnst – hast Du schon Bilder im Kopf?

Deniz: Ich versuche meinen Kopf völlig auszuschalten und in diesem Zustand zu bleiben oder immer wieder dahin zurückzukehren, wenn ich ihn verliere: so wie der Schaffensprozess für mich selbst ein freier Raum ist, ohne von Außen gesetzte Grenzen, also ohne vorausgehenden Plan – eine Ebene, wo kein Verstand mehr sitzt und ich alles zulasse. Damit möchte ich auch dem Betrachter diesen freien Raum geben.

detoKUNST: Wie lange arbeitest Du an einem Bild?

Deniz: Das ist in Stunden schwer zu sagen. Manchmal kann die Fertigstellung eines Bildes sogar Monate dauern. Mir die Zeit zu nehmen, es in Ruhe anzusehen oder zwischendurch auch mal Abstand zu dem Bild zu gewinnen, ist mir genauso wichtig wie das Malen selbst, z.B. wenn ich mich in Details verliere und das bisher Entstandene im Gesamten nicht mehr erkennen kann – ähnlich wie in einer nahen Beziehung zu einem Menschen. Die Entstehung eines Bildes erwächst aus einem inneren Prozess heraus, auch wenn ich nicht male.

detoKUNST: Welche Rolle spielen dabei die Technik, das Format und die Farben?

Deniz: Das Mischen von verschiedenen Farben und Weißtönen und diese dann Schicht für Schicht aufzutragen bzw. teilweise auch wieder abzutragen sind die Momente des Schaffensprozesses, die mich in eine Art meditativen Zustand versetzen können und meinen Kopf frei werden lassen.

Ich wähle seit Jahren sehr oft das Quadratformat. Es steht symbolisch unter anderem für das Weibliche, aber auch für die Grundstruktur des Kosmos. Jedoch habe ich das erst nach Jahren, in denen ich fast ausschließlich quadratische Formate malte, zufällig gelesen. Die Wahl des Formates ist meist genauso intuitiv wie ein Großteil meiner Werke, die auf der Leinwand entstehen.

detoKUNST: Welchen Themen beschäftigen Dich, wenn Du konzeptionell bzw. themenorientiert arbeitest?

Deniz: Ich beschäftige mich viel mit sozialen Strukturen einer Gesellschaft und deren psychologische Auswirkungen auf den einzelnen Menschen. Unterm Strich ist das Thema Identität und woraus Menschen sich diese ziehen eines meiner Hauptthemen. Damit beschäftige ich mich schon seit meiner frühesten Jugend. Aber auch das Thema Zeit und wie wir diese als Menschen definieren

beschäftigt mich sehr. Daraus entstand auch meine abstrakte Serie SPACES.

detoKUNST: Ist die Installation FENCES so entstanden?

Deniz: In der Installation FENCES geht es um Zäune, Mauern und Grenzen in jedem von uns – im zwischenmenschlichen Umgang und auf gesellschaftlicher Ebene, welche zuletzt nicht voneinander zu trennen sind. Auch um die Frage, wo der Schutz aufhört, die z.B. Zäune geben können und wo Abschottung, Ausgrenzung oder auch menschenverachtende Ignoranz beginnt.

2018 wurde ich zu dem tollen Kunstprojekt ZIMMERFREI eingeladen, das vom Kulturreferat München in Zusammenarbeit mit dem Hotel Mariandl vor 19 Jahren ins Leben gerufen wurde. Dort durfte ich mein Projekt FENCES zum ersten Mal zeigen.

detoKUNST: Demokratie und Kunst: Wie siehst Du das Thema und seine Entwicklung?

Deniz: Die Kunstfreiheit ist laut Bundesverfassungsgericht in Deutschland ein Grundrecht und ein wesentlicher Bestandteil der demokratischen Grundordnung. Wenn diese (und natürlich nicht nur diese, aber das würde jetzt zu weit gehen) Freiheit beschnitten wird, sagt das viel über die Politik eines Landes aus – unter anderem, dass sie eben nicht demokratisch ist, obwohl sie vielleicht das Gegenteil behauptet.

detoKUNST: Du hast ein tolles Gedicht über Kunst geschrieben. Kommen die Worte beim Malen oder ist das ein eigenständiger künstlerischer Ausdruck ?

Deniz: Schreiben ist ein eigenständiger künstlerischer Ausdruck, zu dem ich jedoch nicht so leicht Zugang habe, wie z.B. zum Malen. Mein Text „Dein Lebenswerk“ habe ich auf einer Reise geschrieben, in der ich über mehrere Wochen nicht die Möglichkeit hatte zu malen. Die Worte oder auch Sätze, die beim Malen kommen und die ich manchmal auch in meine Bilder integriere, ergeben oft keinen Sinn – zumindest nicht, wenn man nach einem grammatikalisch korrekten Satzbau sucht. Sie entstehen aus einem assoziativen Prozess heraus, der ein ganz anderer ist, als wenn ich versuche, mich bewusst über Worte auszudrücken. Diese Worte lassen meinen Kopf frei werden.

Fotos: Deniz Hasenöhrl

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